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MTM – Arbeit produktiv und gesund

Die historischen Wurzeln: „Motion Time Analysis“

Foto: Bosch Archiv
 Bosch Archiv



Das Zeitalter der industriellen Revolution veränderte die Welt. Als James Watt 1769 seine Niederdruck-Dampfmaschine patentieren ließ, läutete er damit die größte technische Umwälzung in der Geschichte ein. Dass die fortschreitende Mechanisierung der Fabrikarbeit eine neue Unternehmenskultur verlangt,
erkennen vorerst nur wenige Unternehmer.


Zunehmend rückt die Arbeitsorganisation in den Mittelpunkt einer noch jungen Disziplin: der wissenschaftlichen Betriebsführung. Ihr Begründer, Frederick Winslow Taylor, erkennt als Erster die Bedeutung optimierter Arbeitsmethoden und die Notwendigkeit von Zeitstudien. Ab 1901 widmet er sich hauptsächlich der Erforschung der Arbeitsorganisation. Eine Vielzahl von Messungen sollen objektive Fertigungszeiten für genau definierte Arbeitsvorgänge liefern. Taylor entwickelt als Erster eine Gesamtlehre der Betriebswissenschaft. Doch sein Wirken bleibt umstritten – bis heute.


Die optimale Arbeitsmethode

Als Frank Bunker Gilbreth Maurern bei der Arbeit zusieht, fällt ihm auf, dass jeder unnötig Kraft vergeudet. Die Suche nach der optimalen Arbeitsmethode lässt ihn nicht mehr los. Im Gegensatz zu Taylor ist Gilbreth weniger an einer Steigerung der Arbeitsleistung als vielmehr an der optimalen Arbeitsmethode und Arbeitsplatzgestaltung interessiert. Zudem rückt er ermüdungsfreies Arbeiten, die Anleitung der Arbeiter und ähnliches in den Mittelpunkt seiner Forschungen. Gilbreth begründet das Bewegungsstudium. Dazu verwendet er den Film und einen mitlaufenden Zeitmesser. Nach seiner Theorie lassen sich alle menschlichen Bewegungen auf 17 Grundbewegungselemente (Therbligs) zurückführen.
Um die optimale Arbeitsmethode zu ermitteln, eliminiert er nun jedes Therblig, das nicht dem Arbeitsfortschritt dient.
Das Rohmaterial für die Entwicklung des MTM-Verfahrens ist gefunden.

Zahlreiche Forscher wenden sich den Bewegungsstudien zu, um Regeln für möglichst zeit- und kraftschonende Bewegungsfolgen zu ermitteln. Asa Bertrand Segur gelingt es, den Therbligs Zeitwerte zuzuordnen. Bewegungsabläufe lassen sich nun auch quantitativ bewerten. Er veröffentlicht 1926 seine Arbeit unter dem Titel „Motion Time Analysis“ (MTA). Segur weist nach, dass die Ausführungszeit, die Menschen mit gleicher Geschicklichkeit, gleichen Fähigkeiten und gleicher körperlicher Beanspruchung zur Verrichtung einer Arbeitsaufgabe benötigen, von der Methode abhängig ist, die sie anwenden.

MTM steht für Methods-Time Measurement

Der Zweite Weltkrieg bedeutet eine beispiellose Herausforderung für die US-Industrie: Innerhalb kurzer Zeit muss die Produktivität vervielfacht werden – ohne die Beschäftigten zu überfordern. 1940 erarbeitet Herold Bright Maynard mit John Lenhard Schwab und Gustave James Stegemerten die Grundlagen von MTM: Die Forscher filmen überall in den USA Beschäftigte unterschiedlicher Fertigungsbereiche bei der Arbeit. So entschlüsseln die Wissenschaftler elementare Hand- und Fingerbewegungen sowie Blickfunktionen, später auch Körper-, Bein- und Fußbewegungen. Damit sind alle Grundbewegungen definiert.
Maynard, Schwab und Stegemerten orientieren ihr System am Leistungsvermögen durchschnittlich geübter Arbeiter, so wird erstmals eine menschliche Normleistung definiert. 1948 erscheint ihr Buch „Methods-Time Measurement“.


Schnell erkennen die Industrial Engineers in den USA die Vorteile von MTM. Die Möglichkeit, Arbeitsprozesse detailliert vorausplanen zu können, ermöglicht es nun, Unternehmen so exakt wie niemals zuvor zu steuern. Außerdem verfügen Ingenieure und Konstrukteure jetzt über ein Instrument, mit dem sich Produkte entwickeln lassen, die kostengünstiger gefertigt und montiert werden können.

Maynard gründet 1951 in New York die “U.S. MTM Association for Standards and Research”. Dieser Non-Profit-Organisation übertragen die drei MTM-Entwickler die Urheberrechte. US-amerikanische Beratungsunternehmen bringen MTM Anfang der 50er Jahre nach Europa. Bereits 1955 wird in Schweden die erste nationale MTM-Vereinigung Europas gegründet, 1957 in der Schweiz, dann in Holland und in Frankreich. In Paris beschließen 1957 alle nationalen MTM-Vereinigungen die Gründung eines Internationalen MTM-Direktorats. Diesem wird die Überwachung der Urheberrechte übertragen.


Die Deutsche MTM-Vereinigung e. V.

Die Deutsche MTM-Vereinigung hat heute über 500 Mitglieder, davon gut 250 Unternehmensmitglieder, die mehr als 2,75 Millionen Beschäftigte repräsentieren. In Deutschland und weltweit beraten und unterstützen hoch qualifizierte MTM-Ingenieure die Projektteams der Unternehmen vor Ort. Alle Maßnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit Management, Mitarbeitern und Mitarbeitervertretungen umgesetzt.

Die Deutsche MTM-Vereinigung stärkt die MTM-Kompetenz aber auch in den Unternehmen selbst. Mit der Ausbildung zum MTM-Praktiker und darauf aufbauenden Qualifizierungen bis hin zum European Industrial Engineer erwerben Fach- und Führungskräfte Methodenkompetenz, die sie branchenneutral und universell einsetzen können. Jährlich schließen mehr als 5.000 Teilnehmer eine Qualifizierung mit Zertifikat ab. Seit 2004 bietet die Deutsche MTM-Vereinigung an mehr als 50 Universitäten, Hoch- und Fachschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kurse Basic-MTM und Basic-IE an.




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