MTM – Arbeit produktiv und gesund

Airbus Defence and Space: MTM-Prozessbausteine in der Eurofighter-Wartung

Die Airbus Defence and Space GmbH ist von der Bundeswehr mit der Wartung des Mehrzweckkampfflugzeugs Eurofighter beauftragt. Die Planung und Kalkulation der entsprechenden zeitlichen Aufwände basierte bislang größtenteils auf Schätzungen und Rückmeldungen aus dem Fertigungsbereich. Im Rahmen der Verpflichtung zur Offenlegung der Kosten gegenüber dem Kunden sind jedoch eindeutig nachvollziehbare Planzeiten für die einzelnen Arbeitsschritte der Wartung erforderlich. Für die MTM-Anwendung in den Bereichen Instandhaltung, Reparatur und Revision (MRO – Maintenance, Repair, Overhaul) ist das Prozessbausteinsystem MTM-MEK (MTM für die Einzel- und Kleinserienfertigung) ideal geeignet. Betriebliche Prozesse mit großem Arbeitsinhalt (mehrere Stunden) bei gleichzeitig kleinen Stückzahlen können über die Beschreibung von Rahmenbedingungen mit geringem Aufwand planbar gemacht werden. In einem gemeinsamen Projekt mit der Deutschen MTM-Gesellschaft mbH wurden dazu modular aufgebaute, betriebliche MTM-Prozessbausteine erstellt.

700 Stunden Arbeitsinhalt in der Funktionsprüfung – kein Problem mit MTM-MEK!
Bei der Wartung des Eurofighter werden definierte Umfänge der Maschine, Baugruppen bzw. Bauteile – abhängig von der Anzahl der Flugstunden, die die Maschine absolviert hat – befundet, zerlegt, nachgerüstet, wieder zusammengebaut und in allen Funktionen geprüft. Der Bereich Funktionsteste stand auch im Mittelpunkt des Projektes. „Wir sprechen hier von einem Arbeitsvolumen von mehr als 700 Stunden allein in der Funktionsprüfung, die mit MTM bewertet wurden. Insgesamt umfasst die Wartung pro Maschine etwa 8.000 Stunden“, erklärt Robert Meier, bei Airbus Defence and Space im Bereich Operational Excellence tätig und seit 2012 als Projektleiter für MTM/Industrial Engineering & Innovation Themen verantwortlich.

Modulare MTM-Bausteinstrukturen in TiCon für SAP
Ziel des MTM-Projektes war es, die Planzeiten der einzelnen Testschritte für alle Beteiligten transparent und damit nachvollziehbar zu ermitteln. Mit den modular aufgebauten, betrieblichen MTM-Prozessbausteinen ist es nun möglich, sämtliche Tätigkeiten der ausgesuchten Bearbeitungsumfänge und deren Varianten mit geringstmöglichem Aufwand zu bewerten. Die Erstellung und Harmonisierung der MTM-Prozessbausteine sowie die Planung der jeweiligen Tätigkeiten erfolgt mit der MTM-Software TiCon für SAP. Inzwischen seien ca. 30  Kollegen in Manching zum MTM-Praktiker ausgebildet – ihnen obliege künftig die allgemeine Pflege der Daten und die Kalkulation der Angebote, so Meier.

„Bemerkenswerte Verbesserungen“
Die Analyse der Tätigkeiten habe nicht nur die bisher festgestellten Aufwände bestätigt, sondern auch bemerkenswerte Verbesserungen in den Abläufen und Prozessen gebracht, betont Meier. Gegenüber den Ergebnissen aus 2012/2013, als die Wartung schon einmal auf den Prüfstand kam, sei eine Reduzierung der Planzeiten um mehr als 130 Stunden möglich. Der Nutzen der MTM-Anwendung liegt für Meier auf der Hand:

  • Daten reproduzierbar
  • Prozesse transparent abgebildet
  • Simulation von Soll-Abläufen möglich
  • Bezugsleistungstreue (100% Normleistung) als Basis
  • Standardisierung von Methoden und Prozessen ist initiiert

Regelkreismodell zur kontinuierlichen Systemdiagnose
Ein weiterer Vorteil der MTM-Anwendung: Die Mitarbeiter werden von Anfang an einbezogen. Dies sei auch die Grundlage für das sehr gute Verhältnis zum Betriebsrat und letztlich das Zustandekommen einer Betriebsvereinbarung zu MTM, betont der Industrial Engineer. Sollte sich herausstellen, dass die vorkalkulierten Stunden – aufgrund von Abweichungen zum geplanten Prozess – nicht ausreichen, trete ein Regelkreismodell zur kontinuierlichen Systemdiagnose und Systemverbesserung in Kraft. Dazu wurden laut Meier sogenannte „Mehr-Minder Kenner“ definiert, über die Abweichungen von IST und SOLL kenntlich gemacht werden können. „Wichtig ist uns in jedem Fall, dass wir Transparenz für den Kunden herstellen, dass wir exakt sagen können, wo die Mehrstunden herkommen, die der Kunde ja auch bezahlen muss.“ In der Wartung arbeitet Airbus Defence and Space derzeit mit Selbstkostenerstattung, also Erstattung der Summe aller durch den betrieblichen Leistungsprozess entstandenen Kosten. Laut Robert Meier ist die Einführung eines Pauschalpreises das Ziel – und MTM die entsprechende Kalkulationsgrundlage.

Best Practice macht Schule
MTM-MEK hat sich einmal mehr als ideales Analysiersystem für den Prozesstyp 3 erwiesen. Dieser ist u. a. charakterisiert durch langzyklische Tätigkeiten mit geringem Wiederholcharakter. Dieser Prozesstyp ist häufig im Bereich Instandhaltung und Reparatur zu finden. Von der Best Practice in Manching profitieren übrigens auch MTM-Mitgliedsunternehmen anderer Branchen, wie z. B. Miele Professional. Dort sind betriebliche MTM-Prozessbausteine auf der Basis MTM-MEK zur Planung und Kalkulation von Großanlagen im Einsatz. Das Verfahren hat man sich bei einem von der Deutschen MTM-Gesellschaft organisierten Besuch bei Airbus Defence and Space abgeschaut.

Für weitere Fragen zum Projekt MTM-Prozessbausteine in der Eurofighter-Wartung stehen zur Verfügung:

Robert Meier, Operational Excellence, Airbus Defense and Space GmbH, E-Mail:
Ralf Jaehnke, Bereichsleiter, Deutsche MTM-Gesellschaft mbH, E-Mail:




Bildnachweis:

Airbus Defence and Space GmbH

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