MTM – Arbeit produktiv und gesund

BMA: Produktivität nach oben – Bestände nach unten!

28.10.2019
Maschinenbauer steigert Effizienz der Fertigung mit MTM-basierter Zeitwirtschaft

Mit Zentrifugen und Pumpen für die industrielle Zuckerherstellung und Raffination ist die BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt seit mehr als 160 Jahren erfolgreich am Markt. Noch vor wenigen Jahren ähnelten die Fertigungsprozesse denen einer Manufaktur. Doch Wettbewerbsdruck, steigende Auftragszahlen, stetig wechselnde Marktbedingungen und Kundenanforderungen machten es notwendig, die Zentrifugen-Fertigung von einer Stationsmontage auf eine getaktete Ein-Linien-Fertigung im Zwei-Schicht-System umzustellen und so die Produktivität deutlich zu erhöhen. Grundlage für 60 % mehr Effizienz in der Fertigung, für die Steigerung des Produktionsvolumens auf 300 Zentrifugen und 50 Pumpen pro Jahr sowie eine exakte Produkt- und Personalkalkulation war die Einführung einer MTM-basierten Zeitwirtschaft. Die Deutsche MTM-Gesellschaft mbH unterstützte als Projektpartner.

„Wir sind der klassische Einzelfertiger. Die Produktlinie ist zwar eine Art Baukasten, am Ende aber ist jede Maschine ein Unikat“, sagt Dr. Christian Beer, COO und Mitglied des Vorstands der BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt. Um den wichtigsten Anforderungen in punkto Wettbewerbsfähigkeit – Lieferfähigkeit, Produktivität und Qualität – gerecht werden zu können, stellte sich vor drei, vier Jahren die Frage nach Modellen zur Industrialisierung der Fertigungsprozesse. „Meiner Meinung nach brauchten wir ein Pull-System: Maschinen in einer definierten Taktfolge montieren und direkt an die Kunden ausliefern“, so Beer.

„Lean und MTM funktionieren zusammen sehr gut“
Mit Blick auf das Toyota-Produktionssystem und aus langjähriger Erfahrung mit MTM zur wertschöpfungsorientierten Optimierung von Montageprozessen erschien ihm ein Methoden-Mix aus Lean und MTM am besten geeignet. „Lean und MTM funktionieren zusammen sehr gut. Automatisieren werden wir dort, wo es Sinn macht. Dazu noch der Einsatz neuer Technologien und das Produzieren im Kundentakt – das ist unsere Unternehmensphilosophie“, beschreibt der Manager und Initiator des Projekts.

Transparenz ist das A und O
Erster und wichtigster Schritt für den Aufbau der Ein-Linien-Fertigung war Transparenz in der Prozesslandschaft von Vor- und Hauptmontage. „Welche Inhalte an welcher Station in welcher Zeit – das haben wir mit MTM ermittelt“, so Beer. Bei der Analyse zutage traten auch Störungen in der Vormontage wie z. B. bei den Vorarbeiten oder bei der Materialbereitstellung. Diese Probleme seien vorher auch schon dagewesen, aber man habe sie einfach nicht gesehen, sagt Beer. „Erst durch die MTM-Brille, durch strukturierte Prozesse, wurden sie sichtbar.“ Die neue Montagelinie wurde dann mit SOLL-Zeiten geplant. Das Ziel: Jede Station an der Linie sollte ca. 7 h Arbeitsinhalte haben. Taktzeit ist eine Schicht, sodass pro Schicht eine Maschine fertiggestellt wird.

„Das alte System hätte das nicht hergegeben“
Mit dem Ergebnis der MTM-Anwendung ist Beer mehr als zufrieden. „Zum einen wissen wir überhaupt erst einmal, was die Montageinhalte zeitlich wert sind, zum anderen sind wir produktiver geworden“, betont der Manager und fügt an: „Jetzt können wir auch an Liefertermintreue und Qualität arbeiten.“ Mit einem derart geordneten Prozess sei das Unternehmen auch in der Lage, eine zweite Schicht zu fahren und die Produktion zu steigern. „Das alte System hätte das nicht hergegeben“, so Beer.

Die nächsten Schritte sind klar. Die MTM-Anwendung soll auf weitere Produktionsbereiche ausgeweitet werden und speziell auch bei der Umstellung auf die robotergestützte Schweißbaugruppen-Fertigung helfen. „Wir haben sehr viele Rüstprozesse, auch da wollen wir nur noch das produzieren, was auch verkauft ist – und die Zeiten mit MTM machen“, ergänzt der Manager. Generell geht es bei der BMA weg von der kundenneutralen Losgrößenfertigung hin zur Fertigung nach Kundenauftrag. „Produktivität hoch und Bestände runter – jetzt funktioniert das.“

Mit effizienter Arbeitsorganisation schneller nach oben
Beer selbst bezeichnet das Ganze als Leuchtturmprojekt. „Ich wollte den MTM-Kritikern zeigen, dass die Bewertung manueller Tätigkeiten und die signifikante Steigerung der Produktivität auch im Maschinenbau funktioniert –  nicht nur im Automobilbau.“ Der Betriebsrat sei bei diesem Projekt ebenfalls überzeugt worden. „Ich bin runter auf den Shopfloor und habe den Mitarbeitern gezeigt, dass es mit einer guten Arbeitsorganisation und effizienten Prozessen viel schneller nach oben geht – an dieser Tatsache kommt niemand vorbei.“


Foto:
BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt

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