MTM – Arbeit produktiv und gesund

BSH Hausgeräte GmbH: Zahlen und Fakten statt Bauchgefühl

Best practice: MTM zur Bewertung von Prüftätigkeiten

Die BSH Hausgeräte GmbH fertigt am Standort Traunreut Herde und Kochfelder. Ein Bestandteil der Qualitätskontrolle ist das Sichtprüfen der Backrohre in den Herden auf Fehlstellen in der Emaillierung. Dies erfolgt im 3-Schicht-System an nur einem Revisionsplatz. Die Anforderung bestand darin, die aktuelle Taktzeit von 13,5 Sekunden auf maximal 12 Sekunden zu senken und somit die Stückzahl pro Stunde zu erhöhen. Ziel war es dabei, weiterhin mit nur einem Revisionsplatz, sprich einem Mitarbeiter pro Schicht, auszukommen. Den objektiven Nachweis, dass dies machbar ist, führte Klaus Einsiedler, Leiter Oberflächentechnik Emaillieren, mit Hilfe des Prozessbausteinsystems MTM-Sichtprüfen. Das Analyse-Tool ist ideal geeignet zur Bewertung von Prüftätigkeiten, die vom menschlichen Urteils- und Entscheidungsvermögen abhängen.

„Ich wollte einen objektiven Nachweis“

Die Anforderungen am Revisionsplatz sind hoch. Alle 13,5 Sekunden hat der Mitarbeiter ein neues Backrohr vor sich, ganze sieben Sekunden bleiben ihm für den eigentlichen Prüfvorgang. In dieser Zeit muss er eine bestimmte Anzahl von potenziellen Fehlerstellen in Augenschein nehmen und entscheiden: ist das Bauteil in Ordnung, ist es Ausschuss oder ist Nacharbeit möglich. In letzterem Fall müssen die Fehler noch kategorisiert und dokumentiert werden. Der Mitarbeiter selbst und auch Klaus Einsiedler vermuteten zwar, dass die geplante Taktzeit von zwölf Sekunden machbar ist. Doch eine Vermutung reiche ihm nicht, um Mehrarbeit zu begründen, so der Segmentleiter. „Ich wollte einen objektiven Nachweis.“ Da es bei der BSH Hausgeräte GmbH in Traunreut keine Experten zum Thema Sichtprüfen gibt, suchte man extern nach Unterstützung – und wurde bei der Deutschen MTM-Gesellschaft mbH fündig.

Geplante Taktzeit mit Analyse abgesichert
Im Projekt war zu klären, wie hoch der Prüfaufwand ist, d. h. in welcher Zeit ein Mitarbeiter eine bestimmte Fläche in bestimmter Größe – das sogenannte Prüffeld – nach bestimmten Kriterien prüfen kann. Das Ergebnis: Die geplanten zwölf Sekunden Taktzeit, inklusive Zu- und Abtransport, reichen aus! Außerdem ist das Ziel erreicht, auch künftig mit nur einem Revisionsplatz auszukommen. „Was wir aber tun werden, ist, den Mitarbeiter alle 20 Minuten durch einen in der Nähe arbeitenden Kollegen abzulösen“, so der Segmentleiter. Derjenige Mitarbeiter, der gerade nicht am Revisionsplatz steht, könne dann Erhol- oder Verteilzeiten nehmen oder sich um das Nacharbeiten fehlerhafter Teile kümmern. Diese Lösung bringe auch mehr Abwechslung zur anstrengenden Tätigkeit des Sichtprüfens. Um auch im Falle deutlich größerer Stückzahlen bzw. kurzfristig wachsender Auftragsvolumina flexibel zu sein, soll ein zweiter Revisionsplatz aufgebaut werden. Generell betrieben werde aber nur einer, so Einsiedler.

MTM-Anwendung: Gestaltungshinweise inklusive
Die Verifizierung der geplanten Taktzeit ist nicht das einzige Projektergebnis. Die MTM-Anwendung ergibt immer einen Mehrnutzen. Das Analyse-Tool MTM-Sichtprüfen

  • macht die Prüfabläufe transparenter, planbarer und reproduzierbarer,
  • schließt Fragen der Gestaltung der Revisions- bzw. Prüfplätze ein (Körperhaltung, Blickwinkel, Beleuchtung)
  • hilft bei der Lösung arbeitsorganisatorischer Fragestellungen wie Dauer und Häufigkeit der Prüfaufträge, Abbau von Ermüdung oder Entspannung der Augenmuskulatur,
  • unterstützt die Auswahl von Hilfsmitteln und
  • fördert eine zielgerichtete Arbeitsunterweisung.

„Wir haben insbesondere die Ergonomie am Revisionsplatz verbessert, die Beleuchtung optimiert und einen Lärm- bzw. Sichtschutz angebracht, um Umgebungseinflüsse zu reduzieren, die den Prüfvorgang beeinträchtigen können“, beschreibt Einsiedler. Den größten Nutzen des Projektes sieht er darin, dass das vermutete Ergebnis mit Zahlen und Fakten abgesichert werden konnte – „auf diese Weise haben wir die Arbeitswirtschaft im Boot und letztlich auch den Betriebsrat.“

Für weitere Fragen zum Thema Sichtprüfen mit MTM stehen zur Verfügung:
Klaus Einsiedler, Head of Surface Technology Enameling, BSH Hausgeräte GmbH Traunreut, E-Mail: ,
Ralf Jaehnke, Bereichsleiter, Deutsche MTM-Gesellschaft mbH, E-Mail: .

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