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Gerresheimer Medical Systems: Ergonomie ist ein Erfolgsfaktor!

Bei der Neuplanung bzw. Optimierung von Produktionseinrichtungen, global für Gerresheimer Medical Systems (MDS),  spielt das Thema Ergonomie eine große Rolle. Vom Spritzgießen über die Montage und Kontrolle bis zur Verpackung von Medizin- und Pharmaprodukten, wie z. B. Inhalatoren, Insulin-Pens, Komponenten für nadellose Spritzensysteme, Küvetten und Lanzetten, betreut die Production Coordination Unit (PCU) die komplette Fertigungskette bzgl. Ergonomieberechnungen und Umsetzungsprojekte für alle Produktionsstandorte weltweit.  In der Vergangenheit wurden Materialbereitstellung, Arbeitshöhen, Greifwege, Beleuchtung und Mitarbeiterwege vorrangig anhand von Erfahrungswerten geplant. Künftig werden Ergonomie und Wirtschaftlichkeit gemeinsam betrachtet, erfolgen Planung und ergonomiegerechte Gestaltung des Arbeitssystems auf der Grundlage objektiver, mit Hilfe von MTM gewonnener Daten. Die Ergebnisse aus den Pilotprojekten sowie die Einführung entsprechender methodischer und technischer Standards bei der Gerresheimer Medical System zeigen: Ergonomie ist ein Erfolgsfaktor!

Die Production Coordination Unit bei Gerresheimer MDS verfolgt mit dem Thema  Ergonomiebewertung gleich mehrere Ziele. Zum einen sollen die physischen und psychischen Belastungen für die Mitarbeiter so weit wie möglich reduziert werden. Prozesssicherheit und Qualität der Produkte sollen dabei weiterhin im Fokus stehen. Ein weiterer Punkt: Die auf anerkanntem, objektivem Fachwissen beruhende Ergonomieplanung soll auf die speziellen Bedürfnisse von Gerresheimer Medical Systems abgestimmt werden. Last but not least sollen die technischen Standards, z. B. Stühle und Montagetische, den ergonomischen Anforderungen genügen. Der Weg zu diesen Zielen führt über die gemeinsame Betrachtung von Zeit und Ergonomie. D. h., dass

  • mit der Kalkulation von Zykluszeiten auch die ergonomischen Belastungen objektiv bewertet und
  • analog zu speziellen MDS-Zeitbausteinen auch spezielle Ergonomiebausteine (Datenkarten) entwickelt werden.

Weitere Schritte sind

  • die Beurteilung der psychischen Belastungen und Umgebungseinflüsse mit Hilfe einer objektiven Methode,
  • die Integration ergonomischer Aspekte bei der Planung neuer (automatisierter) Anlagen (prospektive Ergonomie) und bei Optimierungsprojekten (korrektive Ergonomie) sowie
  • die regelmäßige Schulung der Mitarbeiter, die die ergonomiegerecht gestalteten Arbeitsplätze auch richtig nutzen sollen (Verhaltensergonomie).

In einem ersten Pilotprojekt im Sommer vergangenen Jahres im Bereich Verpackung eines Infusion-Sets wurden das methodische Vorgehen festgelegt und mit MTMergonomics® bzw. HEIdigital die zur ganzheitlichen Bewertung (physische und psychische Belastungen) eines Arbeitsplatzes geeigneten Software-Tools ausgewählt. Nach der Ist-Analyse verschiedener Arbeitsplätze, die verschiedene ergonomische Risiken in Zusammenhang mit der Lastenhandhabung oder auch ungünstigen Körperhaltungen zu Tage brachte – der Startpunkt der Ergonomie-Landkarte –, erarbeitete das Projektteam gemeinsam mit den MTM-Experten diverse Gestaltungsvorschläge und zeigte die Vorteile auf, die sich auch monetär darstellen lassen. Ebenso im Fokus standen der Ist-Zustand und die Potenziale in punkto Verhaltensergonomie. Da ging es dann um richtiges Sitzen z. B. zum Vermeiden von Nackenbelastungen oder das Nutzen vorhandener Hilfsmittel.

Potenziale heben, Produktivität steigern
Nächster Punkt auf der Agenda war das Heben der Potenziale aus dem Pilotprojekt und damit einhergehend die Steigerung der Effizienz in der Produktion. Im Herbst vergangenen Jahres fiel dann unter Mitwirkung des Betriebsrats die Entscheidung für weitere Projekte in Sachen Ergonomie. „Um einen geregelten Ergonomie-Prozess im Unternehmen anzustoßen, braucht es ein standardisiertes Werkzeug wie das von MTM eingesetzte, international anerkannte Ergonomiebewertungstool EAWS“, erläutert Peter Felber, Global Senior Director PCU, Gerresheimer Regensburg GmbH. Bei EAWS (Ergonomic Assessment Worksheet) handelt es sich um ein Verfahren, das es Unternehmen ermöglicht, bei der Bewertung physischer Belastungen am Arbeitsplatz ganzheitlich und nachhaltig vorzugehen. Das bedeutet neben der Bewertung der Arbeitsabläufe mittels Prozessbausteinen auch die Arbeitsaufgaben, Aspekte der Arbeitsorganisation, die Mensch-Maschine-Schnittstellen und die Umgebungseinflüsse zu betrachten. Außerdem braucht es Mitarbeiter, die die Tools sachgerecht anwenden können. Heinz Arbter von der Abteilung PCU, der bereits 2014 das Grundlagen-Seminar Ergonomie bei MTM absolviert hatte, qualifizierte sich 2015 zum EAWS-Praktiker weiter.

Gemeinsam mit einem internen Team aus Fachkräften sowie Experten von MTM – Dr. Steffen Rast und Manuela Ostermeier – wurde 2015 das Projekt „Ergonomiebewertung und Gestaltung im Bereich Logistik Grauraum CC Spritzguss“ gestartet. Im Fokus standen die logistischen Tätigkeiten ausgewählter Mitarbeiter, die Entwicklung von Konzepten zur Verbesserung der multiplen Lastenhandhabung sowie die Umsetzung von Gestaltungsmaßnahmen. Erster Schritt war die Analyse des Arbeitssystems inklusive Abgrenzung des Untersuchungsbereichs und vollständiger Beschreibung der Arbeitsinhalte der Logistiker. Dem schloss sich die zeitliche und ergonomische Bewertung des Ist-Zustands während einer Schicht an. Nächster Schritt war eine Potenzialstudie zur Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs inklusive Prioritäten. Am Ende stand eine Best-Case-Prognose mit Hilfe der MTM-Software HEIdigital, die neben den physischen auch psychische Belastungen bewertet.

Nachhaltiger Erfolg braucht Methodenstandards
Die wichtigste Erkenntnis aus dem Projekt lautet: Nachhaltiger Erfolg braucht Methodenstandards, prospektives Vorgehen und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Natürlich steht den Verbesserungen in der Ergonomie auch einiges an Investitionskosten bei Hilfsmitteln wie elektrischer Hubwagen mit Kippvorrichtung oder ein in Zusammenarbeit mit der Firma Still neu entwickelter Lastenheber mit Vakuumsauger gegenüber. Doch letztlich rechne sich das Ganze, betrachte man Krankenstand, Prozesseffizienz und Produktqualität, betont Felber.

Erweiterung der Lastenhefte um Ergonomieanforderungen
In den kommenden Monaten sollen die Ergonomie-Landkarte bei Gerresheimer Medical Systems weiter vervollständigt sowie Optimierungsmaßnahmen in Angriff genommen werden. Außerdem im Blick hat man die Ergonomiebewertung im Bereich Prozessentwicklung und Anlagenbau. In punkto Prävention steht die Erweiterung der Lastenhefte um Ergonomieanforderungen in der Produktion auf der Agenda.

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