MTM – Arbeit produktiv und gesund

Gerresheimer Medical Systems plant mit eigener Ergonomie-Datenkarte

Die Production Coordination Unit (PCU) der Gerresheimer Regensburg GmbH ist verantwortlich für die Fabrikplanung und ergonomiegerechte Gestaltung der Arbeitssysteme von Gerresheimer Medical Systems (MDS) weltweit. Grundlage sind objektive, mit Hilfe von MTM gewonnene Daten und ein prospektives Vorgehen im Hinblick auf vermeidbare körperliche Belastungen in den Arbeitssystemen. 2015 startete die PCU mit den Ergonomie-Experten der Deutschen MTM-Gesellschaft mbH einen ersten Piloten zur Einführung entsprechender Methodenstandards. Anfang dieses Jahres stand die Erstellung einer Gerresheimer-spezifischen Ergonomie-Datenkarte zur Unterstützung des Aufbaus eines transparenten und nachhaltigen Ergonomieprozesses im Fokus der Projektpartner. Die Vorgabe lautete, zur Erstellung der Ergo-Datenkarte die Arbeitsplätze mit einfachen, effizienten und im Unternehmen etablierten Methoden und Tools zu bewerten. Die Wahl der Projektpartner fiel auf die Kombination der bereits vorhandenen unternehmensspezifischen MTM-1-Daten und EAWS (Ergonomic Assessment Worksheet), den internationalen Standard zur Bewertung des ergonomischen Risikos einer Tätigkeit.

Der Einsatz des Software-Moduls TiCon3 Base und des Softwaretools MTMergonomics® (auf Basis EAWS) beschleunigt nicht nur den Prozess der Erstellung von Zeit- und Ergonomie-Analysen. Der entscheidende Vorteil ist der direkte Bezug zwischen MTM-Prozessbausteinen und ergonomisch relevanten Einflussgrößen. Die Ergänzung bzw. Kopplung der unternehmenseigenen MTM-Datenkarten mit den spezifischen ergonomischen Einflussfaktoren ermöglicht das zeitgleiche Erstellen von Ist- und Planungs-Analysen hinsichtlich Ergonomie und Zeit. Im Unternehmen wird bereits mit TiCon auf Basis einer unternehmensspezifischen, mit MTM-1 erstellten Datenkarte gearbeitet.

Ziel der ersten Projektphase war es, die bei den Tätigkeiten auftretenden körperlichen Belastungen – wie ungünstige Körperhaltungen oder Kräfte – den Grundbewegungen zuzuordnen. Ergebnis war eine Matrix verschiedener Belastungsarten mit unterschiedlich hohen Intensitäten, aus der die für die Beschreibung in der Software notwendigen selektiven und Default-Gruppen abgeleitet wurden. In Phase 2 standen die Strukturierung, Detaillierung und Realisierung der Einbindung der Ergonomie-Datenkarte im Mittelpunkt. Meilensteine waren

  • die Durchsicht der aufgebauten Struktur und eventuelle Anpassung,
  • die weitere Abstimmung zu den zu erfassenden Einflussgrößen (Ausprägung, Gewichtung, Verdichtung),
  • die Implementierung der Ergonomie-Datenkarte,
  • das Anlegen der Gruppen und Zuordnen der einzelnen Werte sowie
  • das Erstellen von Testanalysen und die Feinabstimmung.

Grundlage für die Erstellung und Validierung der Ergonomie-Datenkarte waren ausgewählte Arbeitsplätze am Standort Pfreimd. Es wurden Typenvertreter hinsichtlich der Tätigkeiten/Arbeitsabläufe gebildet, die Haupttätigkeiten festgelegt und kodiert sowie die MTM-1-Prozessbausteine entsprechend individualisiert. Auf die Bestimmung der ergonomischen Einflussgrößen folgte der Aufbau der Ergonomie-Datenkarte in Excel und die Übertragung der Daten in die MTM-Software TiCon. Die dort erstellten Risikoanalysen wurden schließlich noch einmal überprüft und die Ergonomie-Datenkarte entsprechend optimiert.

Mit dieser Ergonomie-Datenkarte können nicht nur Planungsanalysen für Zeitaufwand und ergonomische Belastung schnell erstellt werden, es können auch die entscheidenden Vorteile von MTMergonomics® ohne großen Mehraufwand genutzt werden. Dazu gehören

  • das Berechnen von Belastungen bei Jobrotation,
  • die schnelle Überprüfung von Belastungen für unterschiedliche Körpergrößen und
  • die Berücksichtigung der körperlichen Belastungen bei der Austaktung der Arbeitssysteme.

Die Production Coordination Unit hat nunmehr nicht nur eine Gerresheimer-spezifische Ergonomie-Datenkarte zur effizienten Planung und Gestaltung aller manuellen Tätigkeiten zur Verfügung. Auch die Standardisierung der ergonomischen Einflussgrößen (z. B. richtiges Sitzen zum Vermeiden von Nackenbelastungen oder das Nutzen vorhandener Hilfsmittel) wirke sich positiv auf die Nachhaltigkeit des angestoßenen Ergonomie-Prozesses und damit auf die monetäre Wirksamkeit der Maßnahmen aus, betont Peter Felber, Global Senior Director PCU, Gerresheimer Regensburg GmbH. MTM wird das Unternehmen bei Ausbau und Weiterentwicklung dieser Standards entlang der Wertschöpfungskette weiter begleiten.

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