MTM – Arbeit produktiv und gesund

Human Work Design: Die neue Strategie der Arbeitsgestaltung

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) und die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) veranstalten am 20. Dezember 2016 in Mainz die 5. Fachtagung „Arbeitsplanung und Prävention“. Fach- und Führungskräfte aus Arbeitsplanung, Industrial Engineering, Ergonomie, Personalvertretung, Betriebsmedizin, Gesundheitsmanagement und Arbeitssicherheit diskutieren die Frage „Wertschöpfung und Arbeitsfähigkeit – wie geht das zusammen?“ Knuth Jasker, Geschäftsführer der Deutschen MTM-Vereinigung e. V., die die Fachtagung mitveranstaltet, und Dr. Ernst Krämer von Miele & Cie. KG, einem Partnerunternehmen im Entwicklungsprojekt Human Work Design, stellen Lösungswege vor, wie Wettbewerbsfähigkeit und alternde Belegschaften in Einklang gebracht werden könnten.

Im Zeitalter von Industrie & Arbeit 4.0 stelle sich die Frage, ob die bisherigen Strategien zur Gestaltung menschlicher Arbeit überhaupt noch geeignet sind, so Knuth Jasker. Ein Lösungsansatz ergebe sich aus dem aktuellen gesellschaftlichen Diskurs rund um einen gesunden Lebenswandel (Work-Life-Balance, Sport, Ernährung,...) und der damit verbundenen Frage, wie viel Bewegung bzw. Belastung der menschliche Körper zum Erhalt der Leistungsfähigkeit zwingend braucht. Diese Frage, so Jasker, gewinne besonders vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, sprich alternder Belegschaften an Bedeutung.

Unter dem Titel Human Work Design entsteht derzeit eine neue Strategie zur Gestaltung menschlicher Arbeit sowie hybrider Arbeitssysteme, in denen menschliche und maschinelle Ressourcen miteinander kooperieren bzw. kollaborieren (z. B. die Mensch-Roboter-Kollaboration MRK). Grundlegendes Element dieser Strategie ist das neue Bausteinsystem MTM-HWD®. Mit diesem Bausteinsystem können menschliche Bewegungen und Haltungen aller Körperteile (Bein, Rumpf, Kopf, Augen, Arme und Hand) beschrieben werden. Diese Beschreibung bildet wiederum die Grundlage für eine humanorientierte Gestaltung von Arbeitsabläufen und -systemen und beinhaltet:

  • eine zeitliche Bewertung unter Berücksichtigung einer weltweit standardisierten Bezugsleistung (MTM-Normleistung) für die Auslegung produktiver Arbeitsplätze,
  • eine Bewertung der physischen Belastungen in Kopplung mit einem Ergonomie-Verfahren (EAWS) sowie
  • die Verknüpfung unterschiedlicher Belastungsarten (Körperhaltung, Lastgewicht) zu einem gesunden Mix.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal des neuen Bausteinsystems MTM-HWD® ist die Verwendung von Piktogrammen zu Darstellung der einzelnen Bewegungen statt einer – komplizierteren – Kodierung. Dies fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Mitarbeitern, Führungskräften, Betriebsärzten, Sicherheitsfachkräften und Industrial Engineers bei der Auslegung von Arbeitsabläufen.

Mit Human Work Design führt der Weg von den bisherigen Konzepten der Belastungs- und Zeitminimierung hin zu einem Bewusstsein der Belastungsoptimierung im Sinne medizinisch notwendiger Mindestbelastungen und eines ausgewogenen Belastungsmix. Ziel ist der Erhalt der Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters über einen definierten Betrachtungszeitraum – und in der Konsequenz über das gesamte Arbeitsleben. „Human Work Design versetzt Unternehmen in die Lage, ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sicherzustellen“, ist Jasker überzeugt.

Produktive und gesunde Arbeitsplätze zu gestalten ist der Anspruch der Deutschen MTM-Vereinigung e. V. Mit dem strategischen Ansatz Human Work Design und dem neuen Bausteinsystem MTM-HWD® stünden geeignete Instrumente zur Verfügung, um den Herausforderungen in der Industrie & Arbeit 4.0 begegnen zu können, stellt Jasker fest. „Dieser Ansatz führt übrigens auch zu einem Wandel im Verständnis von Industrial Engineering: nämlich zu einem Kompetenzträger für produktive und ergonomiegerechte Arbeit.“

Deutsch
English
© Deutsche MTM-Vereinigung e. V.