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Kühne + Nagel: Prozesszeitenkatalog für die Ressourcenkalkulation ist jetzt weltweiter Standard

Die Abteilung „Solutions Engineering“ der deutschen Kühne + Nagel-Organisation ist für die Planung und Ressourcenkalkulation von Neukundengeschäften in der Kontraktlogistik zuständig. In der Vergangenheit arbeitete das Tendermanagement mit Standardzeiten, die teils auf MTM-Logistikdaten, teils auf Erfahrungswerten (Zeitaufnahmen) basierten. Im Zuge des Projektes „Zuschlagsermittlung für MTM-Logistikbausteine“ zur weltweiten Standardisierung von Prozesszeiten, das Kühne + Nagel gemeinsam mit der Deutschen MTM-Gesellschaft durchführte, standen auch die Zeiten bei der Containerbe- und entladung sowie in der Kommissionierung auf dem Prüfstand. Wichtige Faktoren waren die zu bewegenden Gewichte sowie die steigende Belastungsdauer und -intensität. Relevant sind die Daten vorwiegend für Arbeitsplätze, an denen Packstücke oder Kleinladungsträger händisch umgesetzt werden müssen – eine der häufigsten Tätigkeiten in einem Logistikzentrum.

Ziel des Projektes an den Lagerstandorten von Kühne + Nagel in Hamburg-Altenwerder und am benachbarten Heykenaukamp war es deshalb, aufbauend auf und als unternehmensspezifische Erweiterung  der MTM-Logistikdaten bzw. der MTM-UAS-Zeiten unternehmensinterne Zeitzuschläge zu ermitteln, die den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Die ermittelten Daten sollen unternehmensweit als Standardzeiten verwendet und für die Kalkulation von Logistiklösungen genutzt werden.

Im Fokus standen die Handlingszeiten beim manuellen Kommissionieren, insbesondere die Belastungen beim Handhaben (Karton, Behälter, Gebinde, Teil) und Umsetzen (HUKA bis HUTZ) von Lasten. In einem ersten Schritt wurde der Ist-Stand der Abläufe an ausgewählten Arbeitsplätzen per Videoanalyse aufgenommen sowie mit MTM-UAS-Prozessbausteinen zeitlich und mit dem Ergonomietool EAWSdigital hinsichtlich der physischen Belastung bewertet. Auf der Basis dieser Ergebnisse wurden die einzelnen Tätigkeiten anschließend entsprechend der Gewichte und Körperhaltungspunkte eingruppiert sowie rechnerisch die Zuschlagszeiten, welche das ergonomische Risiko abbilden, ermittelt. Daraus resultierte eine unternehmensinterne Datenkarte mit Zuschlägen für Lastgewichte und Körperhaltungen.

Mit dem Projekt wurden gleich mehrere Ergebnisse erreicht. Das aus Sicht des Unternehmens zentrale Ergebnis, das im Fokus des Tendermanagements steht, ist ein aktualisierter Prozesszeitenkatalog für die Ressourcenkalkulation. Dieser wird den Planern bei Kühne + Nagel nun weltweit zur Verfügung gestellt. Während des Projektes habe sich aber auch gezeigt, wie eng Ergonomie und daraus bedingte zeitliche Einflussgrößen bei der Arbeitsgestaltung zusammenhängen – „und das schärft natürlich das Bewusstsein der Planer hinsichtlich des prospektiven Aspekts der Arbeitsgestaltung“, stellt Sebastian Türke, Project Manager im Solutions Engineering bei Kühne + Nagel, fest.

Zusätzlich brachte das Projekt eine Vielzahl von Gestaltungsvorschlägen, um das ergonomische Risiko an den betrachteten Arbeitsplätzen bzw. bei einzelnen Tätigkeiten zu minimieren. Dieses Risiko kann nunmehr bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. Eine Win-Win-Situation für Mitarbeiter und Unternehmen. Die das Projekt begleitende MTM-Gesellschaft kam zu dem Schluss, dass Kühne + Nagel hinsichtlich der Ergonomie im Logistikbereich ein Vorreiter in der Branche ist.

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