MTM – Arbeit produktiv und gesund

MTM forscht zu Qualifizierung auf Shopfloor-Ebene

Die Deutsche MTM-Vereinigung e. V., respektive das MTM-Institut, betreibt und unterstützt seit mehr als 15 Jahren die arbeitswissenschaftliche Forschung auf nationaler wie auch internationaler Ebene. MTM-Mitgliedsunternehmen partizipieren entsprechend als erste an den Ergebnissen und haben die Möglichkeit, als Anwendungspartner die neuen Methoden, Tools und Konzepte in der Praxis zu testen. Aktuell laufen mehrere Entwicklungsprojekte, wie z. B. zum neuen Bausteinsystem MTM-HWD® (Human Work Design), zur Standardisierung des Ergonomiebewertungstools EAWS durch die gleichnamige User Group sowie zum Value Stream Management. Darüber hinaus ist MTM Partner bei diversen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ geförderten Verbundprojekten rund um die Industrie 4.0. Nach dreijähriger Laufzeit geht...

...das Projekt „Engineering und Mainstreaming lernförderlicher industrieller Arbeitssysteme für die Industrie 4.0“, kurz ELIAS, jetzt zu Ende. Im Mittelpunkt stand das arbeitsnahe Lernen in einer digitalen Welt. Dr. Thomas Mühlbradt, Leiter Forschung und Arbeitspolitik am MTM-Institut, vertrat die Deutsche MTM-Vereinigung in diesem Projekt. MTMaktuell sprach mit ihm über Ergebnisse und Erfahrungen aus dem Projekt.

Herr Dr. Mühlbradt, wie lautet Ihr persönliches Fazit zu ELIAS?
Meiner Meinung nach ist ELIAS sehr erfolgreich gelaufen, was die Ergebnisse angeht. Das Projekt hat aber auch MTM in Fachkreisen rund um das Thema Industrie 4.0 ziemlich bekannt gemacht und unser Standing als attraktiver Wissenschaftspartner untermauert. Außerdem hat sich das Projekt positiv auf das Verhältnis zu den Gewerkschaften ausgewirkt. Gerade für die IG Metall sind Industrie 4.0 und die damit verbundenen Anforderungen an die Mitarbeiter ein wichtiges Thema. Die IG Metall benutzt z. B. den Begriff „Lernförderlichkeit“ von Arbeit – so, wie auch wir ihn in Zusammenhang mit dem ELIAS-Projekt verwenden.

Womit genau haben sich die ELIAS-Projektpartner beschäftigt?
Wir sind von der Prämisse ausgegangen, dass ständige Veränderung ständiges Lernen erfordert. Und das kann nur nah am Arbeitsplatz stattfinden. Damit die Mitarbeiter die neuen Technologien der Industrie 4.0 einsetzen und beherrschen lernen, müssen arbeitsorientierte Lehr- und Lernkonzepte entwickelt und die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Diese Konzepte und Rahmenbedingungen, wie z. B. eine lernförderliche Arbeitsorganisation im Unternehmen oder Digitale Trainings waren und sind Gegenstand unserer Forschung.

Können Sie uns schon Ergebnisse nennen? Offizieller Projektabschluss ist ja erst Ende Oktober dieses Jahres.
In punkto Lernförderlichkeit sind praktikable Handlungshilfen für Unternehmen entstanden. Publiziert sind bzw. werden diese in mehreren Ausgaben der MTM-Schriftenreihe Industrial Engineering. Außerdem haben wir einen neuen Workshop zur Digitalen Arbeitsunterweisung entwickelt; drei Veranstaltungen haben bereits stattgefunden. Ein wichtiges Ergebnis dieses Projekts sind auch die Folgeaktivitäten. Im September dieses Jahres z. B. konstituiert sich ein neuer VDI-Ausschuss, der eine Richtlinie im Bereich der Lernförderlichkeitsthematik entwickeln will. Bereits im Mai dieses Jahres ist das Projekt AIM gestartet. Hier geht es um ein Arbeitsassistenzsystem für die Individualisierung von Arbeitsgestaltung und Methodentraining. Die Partner des Projekts KMU-4.0 wiederum beschäftigen sich mit der Gestaltung der digitalen Transformation durch Betrieb und Beschäftigte.

Gibt es ein Forschungsthema, das Sie persönlich besonders spannend finden?
„Personalentwicklung auf dem Shopfloor“ ist ein Top-Thema im Zusammenhang mit Industrie 4.0 – und ein Top-Thema auch für MTM. Was wird denn aus den Mitarbeitern in der Montage? Wie verändern sich die Anforderungen an die Werker und welche neuen Funktionen und Kompetenzen müssen zukünftig auf dem Shopfloor angesiedelt werden? Auf diese Fragen müssen gerade Unternehmen mit hohem Montageanteil in der Fertigung eine Antwort finden. Im Rahmen der Initiative „weiter bilden“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wollen wir im Vorhaben PALM4.Q gemeinsam mit der Leopold Kostal GmbH & Co. KG in Lüdenscheid einen Leitfaden zur zukunftsorientierten Qualifizierung des Montagepersonals entwickeln. Christina Hesse, Industrial Engineer bei Kostal, stellt die Beweggründe des Unternehmens, sich mit dem Thema Personalentwicklung in der Montage auseinanderzusetzen und das Vorhaben zügig voranzutreiben, übrigens auf der diesjährigen MTM-Bundestagung vor.

Die Bundesregierung misst der Forschungsarbeit zu den Auswirkungen der Industrie 4.0 große Bedeutung bei...
... und das kann man nicht nur an der Bereitschaft zur Förderung entsprechender Projekte festmachen, sondern z. B. auch daran, dass Staatssekretär Thorben Albrecht auf der MTM-Bundestagung zum Thema Arbeiten 4.0 spricht und weitere Aspekte ins Spiel bringt. Da ist zum Beispiel von neuen, klugen Flexibilitätskompromissen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern die Rede. Das interessiert mich aus arbeitspolitischer Sicht natürlich sehr.

Deutsch
English
© Deutsche MTM-Vereinigung e. V.