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Premium AEROTEC: Effiziente Ergonomiebewertung per EAWS-Schnellanalyse

Für eine weiter verbesserte Ergonomie an den Arbeitsplätzen in seiner Teilefertigung baut der Luftfahrtzulieferer Premium AEROTEC auf die Erfahrung der Deutschen MTM-Gesellschaft. Die entsprechende Analyse und Bewertung der Arbeitsplätze und daraus resultierende Verbesserungsmöglichkeiten standen im Mittelpunkt eines gemeinsamen Projekts am Standort Varel. Premium AEROTEC, ein MTM-Mitgliedsunternehmen, fertigt am Standort Varel mit etwa 1.500 Beschäftigten Einzelteile und montiert Baugruppen wie Türrahmen. In der Teilefertigung entstehen hochkomplexe Zerspan-, Dreh- und Frästeile aus Aluminium, Stahl und Titan für alle Baumuster der Airbus-Familie, den Militärtransporter A400M und den Eurofighter. Mit der bewährten EAWS-Schnellanalyse nutzte das Projektteam eine besonders effiziente und für alle Beteiligten nachvollziehbare Methodik.

Ergebnis: Valide Datenbasis und Gestaltungshinweise
Neben dem Ergonomiebewertungsstandard EAWS (Ergonomic Assessment Worksheet) kam die 80/20-Regel zur Anwendung. Diese besagt, schnell und wissenschaftlich abgesichert diejenigen 20 Prozent der Arbeitsplätze zu identifizieren, an denen 80 Prozent der Belastungen zu finden sind. Basis für das Schnellscreening der Arbeitsplätze im Bereich Rotationsteile waren Interviews mit den Mitarbeitern. Die Erhebung der Daten erfolgte für alle nachvollziehbar in Papierform. Nur jene Arbeitsplätze, die ein hohes ergonomisches Risiko aufwiesen, also „rote“ Arbeitsplätze, wurden anschließend mit der Software EAWSdigital genauer betrachtet. Ein Vorgehen, das Zeit und Kosten spart – und die Konzentration auf das Wesentliche ermöglicht. Ergebnis des Projekts ist nicht nur eine valide Datenbasis. Die Analysen brachten gleichzeitig eine Vielzahl von Gestaltungslösungen, die direkt in die Praxis umgesetzt werden können.

Konkrete Veränderungen am Shopfloor realisieren
Die Mitarbeiter von vornherein einzubeziehen, ist für Vjatscheslav Ponkraschkin, Leiter Industrial Engineering bei PAG in Varel, besonders bedeutsam. „Das Wichtige an den Analysen sind die Aktionen und Handlungsfelder, die wir daraus für unsere Mitarbeiter vor Ort ableiten. Nur, wenn im Anschluss an die Analyse das Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeiter ergonomisch spürbar verbessert wird, also nur, wenn wir konkrete Veränderungen auf dem Shopfloor realisieren, hat sich der Aufwand gelohnt.“ Zum Projektstart kamen deshalb die Mitarbeiter des Fertigungsbereichs, die Führungskräfte, Vertreter des Betriebsrats und die IE-Experten von Premium AEROTEC und MTM zusammen. So konnten alle Beteiligten die Akteure kennenlernen und die Projektziele nachvollziehen. Das gewährleistet die enge Abstimmung mit den verantwortlichen Meistern und Arbeitsplanern.

Betrachtung der gesamten Belastungssituation maßgeblich
Bei der Sichtung der Arbeitsplätze im Bereich Rotationsteile und der Analyse der vorhandenen Datenstruktur (Produktionsprogramm) wurden auch die zeitlichen und ergonomischen Einflussgrößen festgelegt. Im Fokus standen die Belastungsdauer und -intensität, bezogen auf ungünstige Körperhaltungen, Kraftaufwendungen und manuelles Handhaben von Lasten sowie eine etwaige Belastung der oberen Extremitäten. Das heißt: Wie oft werden Teile mit einem bestimmten Gewicht bewegt oder wie lange muss der Werker in einer ungünstigen Körperhaltung – beispielsweise nach vorn gebeugt –, arbeiten? Denn maßgebend für das Ergebnis einer ergonomischen Bewertung ist die Betrachtung der gesamten Belastungssituation, insbesondere die Belastungspunkte für den gesamten Körper.

Transparenz schafft Akzeptanz
Die Bewertung der Arbeitsplätze erfolgte auf Basis einer gemeinsam entwickelten One-Page, einer Standard-Vorlage bzw. Checkliste für die Interviews mit den Mitarbeitern im Shopfloor. Den Mitarbeiter direkt einzubeziehen macht das Vorgehen transparent und die Ergebnisse nachvollziehbar. Das wiederum schafft Akzeptanz für Maßnahmen zur Gestaltung der Arbeitsplätze und hinsichtlich einer besseren Verhaltensergonomie. Während der Interviews wurde die One-Page weiter detailliert und bei Notwendigkeit –  z. B. bei Extrapunkten für eine bestimmte Belastung – ergänzt. Ein wichtiger Meilenstein war die Durchführung von parallelen Interviews an ähnlichen Arbeitsplätzen, um den Standard zu überprüfen und die One-Page letztlich auch in anderen, ähnlichen Fertigungsbereichen bei Premium AEROTEC zur Ergonomiebewertung einsetzen zu können.

Aufwand: pro Arbeitsplatz 30 Minuten
Für die Schnellanalyse im Bereich der Teilefertigung Rotationsteile benötigte das Projektteam pro Arbeitsplatz im Shopfloor etwa 30 Minuten und weitere 15 Minuten zur Dateneingabe am PC. Dieses Vorgehen sicherte einen effizienten Ablauf der Ergonomiebewertung. Im ersten Schritt entstand so eine valide Datenbasis für Premium AEROTEC, die so genannte Ergonomie-Landkarte. Darüber hinaus bietet ein MTM-Projekt immer auch Gestaltungslösungen, die kurzfristig zu geringen Kosten oder mittel- bzw. langfristig über größere Investitionen zu realisieren sind und sich nachweislich bezahlt machen. Bereits jetzt hat das Ergonomie-Projekt die Beteiligten ihrem gemeinsamen Ziel – der weiter verbesserten Ergonomie an den Arbeitsplätzen –  ein großes Stück nähergebracht.

Weitere Fragen dazu beantwortet Ihnen gern Ralf Jaehnke, Bereichsleiter Deutsche MTM-Gesellschaft mbH, E-Mail: Ralf.Jaehnke@dmtm.com.




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