MTM – Arbeit produktiv und gesund

MTM-Anwenderkonferenz 2017: Standards in der Arbeitswelt 4.0 unverzichtbar

Was braucht es, um den Anforderungen im Zeitalter von Automatisierung und Digitalisierung gerecht zu werden? Die Teilnehmer der MTM-Anwenderkonferenz 2017 hatten darauf eine klare Antwort: Standards! Auch die Arbeitswelt 4.0 funktioniert nicht ohne die Anwendung von Standards. Und MTM liefert diese Standards – hinsichtlich Methodik, Ergonomie und Normleistung.

Das war das Ergebnis der abschließenden Umfrage unter den gut 170 Teilnehmern der Konferenz. In der Cloud, die per Interaktion entstand (s. Foto), waren diejenigen Begriffe zu lesen, die die Teilnehmer in Bezug auf die Arbeitswelt 4.0 als besonders wichtig empfinden – und als Thema auch für den eigenen Verantwortungsbereich mitnehmen.

What`s next: Von E-Learning bis MTM-Cloud
Knuth Jasker, MTM-Geschäftsführer und Moderator der Veranstaltung, schlug den Bogen von den Anforderungen an ein zeitgemäßes Industrial Engineering bis zum Nutzen von MTM-Standards. Dazu gehören MTM-HWD®, der neue Standard für die Prozessbeschreibung, und die „Vorgabezeiten für Roboterbewegungen“, also die prospektive Planung von Mensch-Maschine-Kollaborationen. Darüber hinaus ermögliche die Verbindung mit neuen Technologien wie Virtual Reality oder Motion Capturing eine noch effizientere Anwendung der Standards, so Jasker. Eine weitere große Aufgabe für MTM sieht er darin, klein- und mittelständische Unternehmen bei der Gestaltung der Digitalen Transformation zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen eine MTM-Cloud zur Kalkulation und zur Auswertung SOLL/IST in Echtzeit sowie die Bereitstellung branchenneutraler MTM-Prozessdaten in der MTM-Software TiCon. Dritter Schwerpunkt ist die Internationalisierung. Im Vordergrund stehen hier die international einheitliche Instruktoren-Ausbildung sowie die Etablierung von E-Learning-Angeboten, die allen Interessenten weltweit den Zugang zu einer zertifizierten MTM-Ausbildung ermöglichen.


Effizienter planen mit VR-Technologie
Für die Teilnehmer der Anwenderkonferenz liegt laut einer Umfrage der größte Nutzen von MTM-Standards in der effizienten Gestaltung des Planungsprozesses. Auch Andreas Rüdenauer, Geschäftsführer der Rüdenauer 3D Technology GmbH, fokussierte den durchgängigen digitalen Planungsprozess mit Hilfe einer Virtual Reality-Software, die komplexe Produkte oder Arbeitssysteme dreidimensional visualisiert und bewertbar macht. Der Mehrwert gegenüber herkömmlichen Vorgehensweisen: Der Mitarbeiter kann per Interaktion mit der bloßen Hand direkt und realistisch in der CAD-Datenwelt eines Arbeitssystems agieren. Im Zusammenspiel mit MTM als Bewertungsstandard könne die Effizienz des gesamten Produktentstehungsprozesses so deutlich verbessert werden, stellte Rüdenauer fest.

Vom Datenlieferanten zum Prozessgestalter
Der entscheidende Erfolgsfaktor in der Smart Factory sei der Mitarbeiter, sagt Dr. Mathias Keil, Leiter IE-Methoden bei Audi. In seinem Vortrag ging es um die Chancen und Herausforderungen des Industrial Engineers im Kontext der Digitalisierung – ein Thema, das auch viele Teilnehmer der MTM-Anwenderkonferenz umtreibt. Der Industrial Engineer (IE) sei nicht länger ein reiner Datenlieferant, sondern ein ganzheitlicher Prozessgestalter für produktive und humane Arbeitssysteme. Anspruch des IE müsse es außerdem sein, als Produktivitätsexperte auch neue Tools prozesssicher zu beherrschen. „Wer glaubt, Produktvielfalt nur mit Hilfe von Erfahrungswissen optimal takten zu können, passt nicht mehr in diese Welt“, betonte Keil. Die Digitalisierung mache den Arbeitswirtschaftler aber nicht obsolet, sie schaffe vielmehr Kapazitäten im Industrial Engineering, „die wir für Zukunftsthemen einsetzen können“.

Produktdaten zentral verwalten
Zu den Themen der Anwenderkonferenz, die den Teilnehmern laut Umfrage vor allem in Erinnerung geblieben sind, gehört View2Connect, das von der Heidelberger Druckmaschinen AG entwickelte Software-Tool zur zentralen Verwaltung von Produktdaten mit 3D-Bezug. Konstruktion, Produktion, Service und Einkauf können auf die bildbasierte Dokumentation zugreifen. Damit habe man die interne Komplexität und die entsprechenden Kosten deutlich verringern können, erklärte Karl-Heinz Wollscheidt, Programmleiter Komplexitätsmanagement bei der Heidelberger Druckmaschinen AG, der das Tool bereits am Vortag im Informationsseminar des MTM-Softwarehauses vorstellte. Dass View2Connect mit der MTM-Software TiCon sowie der bei Heidelberger verwendeten Unternehmenssoftware SAP gekoppelt ist, sei auch eine wesentliche Voraussetzung zur effizienten Erstellung und Pflege der Vorgabezeit. Mit Hilfe der Dokumentation bzw. der bebilderten Arbeitsunterweisungen, die erzeugt werden, könne z. B. auch die Anlernzeit in der Montage – insbesondere bei seltenen Varianten mit hoher Durchlaufzeit – signifikant reduziert werden, so Wollscheidt.

Die Intelligenz ins System stecken
Totale Vernetzung? „Das alles wird nur funktionieren, wenn wir den Menschen nicht vergessen. Er muss sagen, wie die Prozesse aussehen“, erklärte Dennis Barrier, Vertrieb Produktmanagement Bosch Rexroth AG. Was das Unternehmen tun kann? Den Menschen in seinen Aufgaben unterstützen – z. B. mit digitalen Assistenzsystemen oder interaktiven Kommunikationsplattformen direkt am Shopfloor. Barrier riet den Teilnehmern, den Betriebsrat frühzeitig einzubinden – „damit unterstützen Sie auch den Roll-out.“ Das IE sollte beim Mitarbeiter das Interesse an neuen Tools wecken, dann werde man diese auch schneller akzeptieren. „Erfinden Sie nicht alles neu. Schauen Sie, was es schon alles gibt im Unternehmen und verbinden Sie es neu.“

Die Vorträge von André Piel, Leiter Produktion BSH Hausgeräte GmbH, und Alexander Buck, Fertigungsplanung Henkel AG & Co. KGaA, rückten den Nutzen von MTM-Standards in der Arbeitswelt 4.0 in den Mittelpunkt. BSH Hausgeräte in Bad Neustadt startete 2016 mit der Einführung von MTM – und nutzte dabei auch Lösungen aus der Industrie 4.0. „Das bedeutet zum Beispiel, dass wir Störungen und Fehlerquellen vom Mitarbeiter wegnehmen und die Intelligenz ins System dahinter stecken“, beschrieb Piel. Damit seien Standards auch besser umsetzbar bzw. durchsetzbar. MTM als globalen Standard einzuführen, war laut Alexander Buck die wichtigste Voraussetzung, um bei Henkel den Anforderungen der Prozessindustrie 4.0 gerecht zu werden und die Effizienz in den Produktionsnetzwerken weltweit zu steigern.

Standard macht weltweit Schule
Standards haben ist das eine, sie richtig einsetzen, das andere. Die hohe Varianz in der Getriebemontage im Mercedes-Benz Werk Gaggenau stellt entsprechend hohe Anforderungen an die Personalplanung am Shopfloor. Thomas Dannhauser, Leiter IE, beschrieb den Nutzen eines gemeinsam mit MTM entwickelten Tools zur Ermittlung und Steuerung des optimalen Betriebspunkts auf Basis der MTM-Normleistung. Die Lösung berücksichtige die jeweilige Produktvariante, sorge für einen effizienten Mitarbeiter-Einsatz, ermögliche eine exaktere Stückzahlvorgabe und sei vor allem einfach zu handhaben. In Gaggenau eingeführte Standards machen übrigens weltweit Schule, denn das Werk ist „lead plant“ im Getriebebau.

Wer sich im Detail für die Themen bzw. Vorträge der MTM-Anwenderkonferenz 2017 interessiert, wird in unserem Archivierungssystem IRAS fündig (Zugang nur mit gültigem Login).


 

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