MTM – Arbeit produktiv und gesund

Von Human Work Design bis Job Crafting – MTM auf dem GfA-Frühjahrskongress 2016

„Arbeit in komplexen Systemen – digital, vernetzt, human?!“ lautete das Thema des diesjährigen GfA-Frühjahrskongresses an der RWTH Aachen. Etwa 390 Teilnehmer diskutierten Konzepte und Methoden rund um das Arbeiten in der Industrie  4.0 – ein Betätigungsfeld gerade für die Experten der Deutschen MTM-Vereinigung e. V., die sich in drei Sessions, einem sehr gut besuchten Workshop und in der Fachausstellung einmal mehr als kompetenter und verlässlicher Partner für die Gestaltung produktiver und gesunder Arbeit präsentierten.

Auf großes Interesse stieß der gemeinsam mit dem REFA-Institut veranstaltete Workshop zum Thema "Routinearbeit in der Industrie 4.0 – Jobs mit Zukunft?" Im Mittelpunkt des interdisziplinären Austausches der gut 30 Teilnehmer aus diversen Branchen stand die Identifizierung und Priorisierung von Handlungsfeldern. In ihrem Impulsvortrag umrissen Dr.-Ing. Patricia Stock, REFA-Institut, und Dr. Thomas Mühlbradt, MTM-Institut, die zentrale Aufgabe beider Institutionen: mit innovativen Methoden und Tools des Industrial Engineering  zur Entwicklung der Arbeit in der Industrie 4.0 beizutragen und dafür zu sorgen, dass Mensch, Technik und Organisation im Einklang sind. Denn: Für den Menschen werden die Auswirkungen der Industrie 4.0 am deutlichsten spürbar sein, wird sich das meiste verändern!

Hinsichtlich der Anforderungen an die Beschäftigten in der Industrie 4.0 waren sich die Teilnehmer einig, dass die zunehmende Digitalisierung der Produktion eine entsprechende IT-Kompetenz und vor allem auch die Bereitschaft zur Veränderung seitens der Mitarbeiter  erfordert. Der Mensch werde immer mehr auf sich selbst gestellt sein, hieß es. An der Themeninsel „Mensch-Maschine-Interaktion und Assistenzsysteme“ stand vor allem die Steuerbarkeit der Interaktion im Vordergrund. Die von Patricia Stock geleitete Gesprächsrunde zu den „Auswirkungen von Industrie 4.0 auf die Lean Production“ identifizierte die standardisierten Prozesse der Lean Production als wichtige Grundlage für Nachhaltigkeit bei der Gestaltung der Industrie 4.0.

Die Runde „Personalentwicklung auf dem Shop Floor“, moderiert von Thomas Mühlbradt, MTM-Institut, beschäftigte sich mit der Breite des Spektrums Routinearbeit – von der stark strukturierten Arbeit bis hin zur Routinearbeit, die besonders große Erfahrung erfordert. Einig waren sich die Teilnehmer, dass Personalentwicklung auch in Routinearbeit bedeutet, die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten jedes einzelnen Mitarbeiters mit seiner konkreten Tätigkeit in Einklang zu bringen. Daher sei die Beteiligung der Mitarbeiter besonders wichtig. Als geeignete Instrumente der Personalentwicklung identifizierten die Teilnehmer z. B. Learning on the Job oder Job Crafting, das aktive Gestalten des eigenen Arbeitsplatzes.

Einen Beitrag leisten hier auch die Überlegungen hinsichtlich der lernförderlichen Gestaltung von Arbeitssystemen. In der Session „Innovative Lernformen und -systeme" des GfA-Frühjahrskongresses präsentierten Dr. Thomas Mühlbradt und Prof. Dr. Peter Kuhlang, Leiter MTM-Institut, sowie Prof. Dr. Uwe Dombrowski, Institut für Fabriklehre der TU Braunschweig, standardisierte Lern-Routinen als Form des arbeitsnahen Lernens. Die sehr gut besuchte Session „Produktionsergonomie“ unter der Leitung von Peter Kuhlang fokussierte die Analyse und Bewertung von körperlichen Belastungen bei langzyklischen Tätigkeiten als Voraussetzung für eine ergonomiegerechte Arbeitsgestaltung.

Wie sich in der Diskussion zeigte, ist die Ergonomiebewertung mit EAWS (Ergonomic Assesment Worksheet) bereits als Standardmethode in Produktionsunternehmen etabliert. Erste Forschungsarbeiten ergaben, dass EAWS auch herangezogen werden kann, um Arbeitsplätze zu identifizieren, die für eine Mensch-Maschine-Kooperation geeignet sind.

In der Session „Ergonomische Gestaltung von Arbeitssystemen und Arbeitsplätzen“ rückten Matthias Wartig, Miele & Cie. KG, Peter Kuhlang und Thomas Finsterbusch, MTM-Institut, die Vorteile der humanorientierten Gestaltung menschlicher Arbeit mit dem neuen MTM-Bausteinsystem HWD® (Human Work Design) in den Fokus. Mit der integrierten Arbeits- und Ergonomieplanung sei nicht nur ein Wandel im Industrial Engineering eingeleitet, hieß es. Als Mittler zwischen analoger und digitaler Welt leiste die MTM-Prozesssprache auch einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung der Industrie 4.0.

Die Vorträge der MTM-Experten sind übrigens im Tagungsband des GfA-Frühjahrskongresses veröffentlicht und auch im Informationssystem IRAS des MTM-Instituts nachzulesen.

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