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Wenn’s kracht im Gebälk: Gesamt-Wertstrom optimiert Kunden-Lieferanten-Beziehung

Interview mit Prof. Peter Plapper, Universität Luxemburg

Das Thema Kunden-Lieferanten-Beziehung ist hoch aktuell. Und auch die MTM-Bundestagung am 27. Oktober 2016 in Stuttgart nimmt sich dieser Problematik an. Prof. Peter Plapper, Leiter des Lehrstuhls für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen der Universität Luxemburg, stellt die Forschung zu einem unternehmensübergreifenden Value Stream Management zur Verbesserung der Kunden-Lieferanten-Beziehung vor. MTMaktuell sprach mit ihm über die Herausforderungen und über Transparenz als aller guten Dinge Anfang.


Herr Prof. Plapper, wie ordnen Sie die Forschung in Sachen Wertstrom an Ihrem Lehrstuhl ein?
Wir beschäftigen uns derzeit mit drei großen Themen: Laserfügen ungleicher Werkstoffe, kraftgeregelte Roboter in der Fertigung und Operational Excellence in Unternehmensnetzwerken. Bei letzterem spielen Big Data und das Value Stream Management eine besondere Rolle. Das geht alles in Richtung Industrie 4.0...

...Sie forschen speziell zu einem unternehmensübergreifenden Wertstrom. Warum übergreifend?
Value Stream Management ermöglicht es, diejenigen Stellen im Wertstrom zu identifizieren, in denen tatsächlich Wert geschöpft wird, und entsprechend die nicht wertschöpfenden Anteile zu reduzieren bzw. zu eliminieren. Das macht bis dato jedes Unternehmen für sich. Unser Vorschlag lautet nun, den Wertstrom von Unternehmen, die vorrangig ein B2B-Geschäft betreiben – also z. B. in einer Kunden-Lieferanten-Beziehung stehen – als Gesamt-Wertstrom zu analysieren und darzustellen. Mit einem unternehmensübergreifenden Value Stream Management lässt sich so schnell feststellen, wo es läuft und wo es kracht im Gebälk.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung des Projekts?
Es geht nicht darum, die Schnittstellen zwischen zwei Firmen abzustimmen, sondern die Schnittstellen flexibel abstimmbar zu machen, Standards zu schaffen. Schließlich wollen Unternehmen nicht nur an einen Kunden liefern, sondern an mehrere. Genau in diese Richtung zielt unsere Forschung.

Die MTM-Bundestagung rückt den „Mensch in der Arbeitswelt 4.0“ in den Fokus. Ist der Mensch auch ein Faktor im Value Stream Management?
Selbstverständlich. Der Mensch ist einerseits der Experte, der die Methode Wertstrom anwendet. Andererseits ist er als Kunde, Arbeitsplaner, Werker oder Servicemitarbeiter Ressource und Akteur im Wertstrom. Das heißt: Der Mensch ist integraler Bestandteil des Wertschöpfungsprozesses.

Und der Beitrag von MTM?
Auch ein unternehmensübergreifendes Value Stream Management kommt nicht ohne objektive Datengrundlage, ohne absolute Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette aus. MTM liefert diese Transparenz. Man kann sagen, MTM füttert den Wertstrom mit Daten – und ist daher ein wichtiger Partner für uns Wissenschaftler und für die Unternehmen.

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